Besondere Kinder - besondere Wege
Akrobatik-AG an der Förderschule - Text

"Heb` me joh au" – Menschenpyramiden/Akrobatik-AGs an der Förderschule

„Echte Männerpower!“. Frau Oberbürgermeister zeigt sich beeindruckt und der Regierungspräsident applaudiert anerkennend. Mit unbewegtem Gesicht, aber sichtlich stolz verbeugen sich die sechzehn Akrobaten. Vor einer Minute noch standen sie als Pyramide aufgeschichtet. Die großen Starken zuunterst, als verlässliches Fundament, der Kleinste ganz oben, dicht unter der Saaldecke.
Sie fühlen in diesem Augenblick, dass sich der Einsatz gelohnt hat.

Alle sind froh, dabei gewesen zu sein- oder auch, dabei geblieben zu sein:
Alparslan - trotz des Streits, den er mit Evren hatte, war es ihm gelungen, den Zwist für die Dauer der Übungsstunde hinten an zu stellen und Evren ein zuverlässiger Partner zu sein.
Paul, der nach sechs Stunden Unterricht eigentlich nur noch kaputt war und dem es schwer fiel, sich die Figurabfolgen zu merken. Er hatte durchgehalten, ermutigt von den Anderen. Er war nicht mit den Worten “des ka i it“, ausgestiegen, wie sonst so oft.
Dau, der Selbstdarsteller und, obwohl der Kleinste, selbstverständlich der Größte, der alles besser weiß und kann und sich an keinen Regel hält. Der lernen musste, sich einzugliedern und verlässlich den ihm zugewiesenen Platz einzunehmen.
Daniel, selten bei sich selbst und ständig um sich blickend auf der Suche nach Hilfe. Es dauerte, bis er lernte, sich selbst zu vertrauen. Doch letztlich, beim Auftritt, gelangen ihm Wechsel und Abläufe mit schlafwandlerischer Sicherheit
Johann, der Stille, der selten redet. Der im Pausenhof alleine steht. Und der beim Besprechen der Figuren mit seiner sachlichen und konstruktiven Art  in seinem Team plötzlich eine Führungsrolle übernahm, die ihm niemand und schon gar nicht er sich selbst  zugetraut hätte.
Dejan, der schon mal den ganzen Raum durchlief auf der Suche nach seinem Partner oder seiner Position. Der erst lernen musste, Begriffe wie  „rechts vorne“ oder „diagonal nach hinten“ oder auch „linker Oberschenkel“ zu verstehen und umzusetzen.
Tobi und Kevin , groß, stark und vernünftig. Zugpferde und Lastesel zugleich. Vorbilder für die Jüngeren und Partner für die Teamleiter. Letztgenannte verließen nach der x- ten Ermahnung auch schon mal entnervt den Raum, um sich wieder einzukriegen. Und um beim Wiedereintritt verblüfft festzustellen, dass unter der Regie von  Tobi und Kevin eine nahezu aufführungsreife  Figur entstanden war (und sie selbst möglicherweise überflüssig sind).
Fast alle hatten am Anfang Angst, manche bis zum Schluss.  Angst, sich zu berühren. Angst, sich zu blamieren. Angst, nichts zu kapieren….
Aber sie sind dabeigeblieben. Bis zum Auftritt, bei dem die Frau Oberbürgermeister applaudierte und zum Schluss meinte: „Echte Männerpower!“



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